Kampagne #beziehungsweise

#beziehungsweise: jüdisch und christlich – näher als du denkst

Zum Festjahr 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland startet die ökumenisch verantwortete Kampagne „#beziehungsweise – jüdisch und christlich: näher als du denkst“. Mit ihr soll der Blick auf die enge Verbundenheit des Christentums mit dem Judentum gelenkt werden und am Beispiel der Feste der beiden Religionsgemeinschaften verdeutlicht werden.

In einer gesellschaftlichen Situation, in der ein Zuwachs an Antisemitismus und anderer gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit festzustellen ist, will die Kampagne ein Zeichen gegen Übergriffe gegen jüdische BürgerInnen und Hetze und Verschwörungsmythen in Sozialen Medien setzen. 

Um mitzumachen, nutzen Sie die auf der Website 

https://www.juedisch-beziehungsweise-christlich.de/

zu Verfügung gestellten Materialien für Ihren Schaukasten, Ihren Gemeindebrief, Ihr schwarzes Brett in Kirchen und Gemeindehäusern sowie auf Ihren Online- und Social-Media-Kanälen.

Auszeit vom Alltag: Schabbat beziehungsweise Sonntag.

Eine christliche Stimme

Gott sei Dank, es ist Sonntag! Aber was ist das eigentlich, der Sonntag?

  • Jeder Sonntag ist ein Ostertag. Das macht ihn schön.
  • Stirbt der Sonntag am Wochenende? Der Sonntag ist nicht der letzte, sondern der erste Tag der Woche, der Tag nach dem Sabbat.
  • In einem neuen Licht. Gott lässt seinen Christus nicht in der Nacht.
  • Da kommt Freude auf. Der Ostertag, und der wöchentliche Ostertag, ist der erste Tag einer verwandelten Wirklichkeit. Lassen wir das zu? Lassen wir uns aufrichten, üben wir – nicht nur – sonntags den aufrechten Gang?
  • Tag des Herrn. Nicht des Vorstandsvorsitzenden Herr Dr. Müller, sondern eines aus dem Tod geretteten Gerechten. Des, in Gottes Spur, radikal anderen Herrn.
  • Der Sonntag ist „der achte Tag“. Acht, Symbolzahl der Vollendung und der Ruhe. Acht Menschen birgt die Arche. Taufbecken sind oft achteckig. Grund zum Lebensmut, zu einem Leben in heiterer Gelassenheit: Freude.

Heute kämpfen Kirchen und Gewerkschaften gemeinsam um die Bewahrung des Sonntags, um seine aus Zwängen und Routinen befreiende Kraft. Wir haben es vom Sabbat gelernt. Haben wir es gelernt? In Zeiten von Corona, des rund-um-die-Uhr-Home-Office, in Zeiten, in denen wir mit einem Click alles jederzeit bestellen können, ein vergeblicher Einsatz? Treue Erinnerung an die Ursprünge – hilft. 

– Prof. Dr. Susanne Sandherr

Auszeit vom Alltag: Schabbat beziehungsweise Sonntag.

Eine jüdische Stimme

Höhepunkt jeder Woche ist der Schabbat, der siebente Schöpfungstag, an dem wir in Nachahmung Gottes von unserem Tagewerk ruhen sollen. Die Geschäftigkeit des Alltags soll pausieren, damit wir uns an diesem Tag anderen Dingen widmen können, für die sonst wenig Zeit bleibt: Familie, Freunde, Torahstudium, Gottesdienst und Geselligkeit in der Synagoge, Ausruhen und Auftanken. Schabbat meint nicht untätiges Herumsitzen, sondern aktives Streben nach anderen Dimensionen unseres Seins. Als Hilfestellung formulierte die jüdische Tradition einen umfangreichen Katalog von Tätigkeiten, die nicht verrichtet werden sollen, damit wir Ruhe finden und diese Freiheit von Arbeit ebenso den Menschen und sogar auch den Tieren in unserer Umgebung gewähren.

Der Schabbat ist kaum denkbar ohne die festlichen Mahlzeiten im Kreis von Familie und Freunden, eingeleitet von Segenssprüchen über Kerzen, Wein und zwei geflochtene Brotzöpfe. Die Gebete und Lieder in der Synagoge preisen Gottes Schöpfungswerk, im Morgengottesdienst steht die Lesung des Wochenabschnitts der Torah im Zentrum. Dieser Text ist auch der Fokus von Torahstudium und -auslegungen an diesem Tag. Diese aktiven Phasen des Schabbats wechseln ab mit Zeiten der Ruhe und des Kraftschöpfens, bis dann am Samstagabend mit der Hawdalah-Zeremonie, dem Segen über Wein, Licht und Gewürze, die Rückkehr in den Alltag erfolgt.

– Rabbinerin Dr.in Ulrike Offenberg