Kampagne #beziehungsweise

#beziehungsweise: jüdisch und christlich – näher als du denkst

Zum Festjahr 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland startet die ökumenisch verantwortete Kampagne „#beziehungsweise – jüdisch und christlich: näher als du denkst“. Mit ihr soll der Blick auf die enge Verbundenheit des Christentums mit dem Judentum gelenkt werden und am Beispiel der Feste der beiden Religionsgemeinschaften verdeutlicht werden.

In einer gesellschaftlichen Situation, in der ein Zuwachs an Antisemitismus und anderer gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit festzustellen ist, will die Kampagne ein Zeichen gegen Übergriffe gegen jüdische BürgerInnen und Hetze und Verschwörungsmythen in Sozialen Medien setzen. 

Um mitzumachen, nutzen Sie die auf der Website 

https://www.juedisch-beziehungsweise-christlich.de/

zu Verfügung gestellten Materialien für Ihren Schaukasten, Ihren Gemeindebrief, Ihr schwarzes Brett in Kirchen und Gemeindehäusern sowie auf Ihren Online- und Social-Media-Kanälen.

Umkehren zum Leben beziehungsweise 
Antisemitismus ist Sünde.

Eine christliche Stimme

„Der Antisemitismus hat …. seinen Sitz …. in einem bösen Herzen.“

Peter von der Osten-Sacken

Das vorangestellte Zitat eines der Großen im jüdisch-christlichen Dialog verweist darauf, dass es sich hier um eine theologisch begründete Reflexion zum Antisemitismus handelt. Es geht mithin nicht um die gesellschaftlich-politische Analyse des Antisemitismus, der in den letzten Jahren auch in Deutschland immer unverhohlener seine Fratze zeigt und Jüdinnen und Juden existentiell und damit die gesamte demokratische Kultur und Gesellschaft bedroht. Diesen Antisemitismus zu bekämpfen ist Aufgabe dieser Gesellschaft, und zwar nicht nur aus Verantwortung vor der Geschichte und aus Solidarität, sondern auch aus der Einsicht, dass da, wo er obsiegt, keine menschenwürdige Existenz mehr möglich ist.

Die anders fundierte Rede vom Antisemitismus unterscheidet sich nicht zuletzt dadurch, dass ihr die distanzierte abstrakte Redeform nur begrenzt möglich ist. Gewiss ist es durchführbar, den Antisemitismus als ein Phänomen der Kirchengeschichte zu beschreiben, das je unterschiedlich Theologie und Kirche beeinflusste, aber selbst in diesem Kontext kann nicht davon abgesehen werden, dass Sünde getan wird, es also Akteure der Sünde gibt. Wenn man vom Antisemitismus spricht, kann man von den Antisemiten nicht schweigen. Ihre Haltung und Tun müssen als Sünde benannt werden, weil sie eine Verneinung der Anderen leben, biblisch gesprochen: sie hassen. Sie können sich einreden, ihr Hass wäre beschränkt auf bestimmte Menschen, aber der Antisemitismus ist eine Sünde, die den Menschen zur Gänze erfasst. Es gibt keine guten Antisemiten. Dann noch zu meinen, man könne an den einen wahren Gott glauben, ist nicht einsichtiger als das Reden Kains.

– Univ.-Prof. Dr. Rainer Kampling, Geschäftsführender Direktor • Biblische Theologie/NT

Umkehren zum Leben beziehungsweise 
Antisemitismus ist Sünde.

Eine jüdische Stimme

Antisemitismus hatte und hat mörderische Folgen, und selbst seine „milderen“ Varianten vergiften das Leben.

Die religiös, rassisch oder politisch begründete Abwertung des Judentums fordert die jüdische Gemeinschaft zu allen Zeiten zu Antworten heraus. Manche Jüdinnen und Juden versuchten den Demütigungen zu entgehen, indem sie möglichst wenig als solche erkennbar sind und sich an die Umgebung assimilieren. Am anderen Ende des Spektrums finden sich jene, die diese Bemühungen als aussichtslos verwarfen und die Errichtung eines eigenen Gemeinwesens erstrebten, in dem Judenhass keine Chance mehr haben würde.

Jüdische Gegenwehr äußerte sich auch in vielfältigen Formen von Aufklärung, Apologetik und Entkräftung antisemitischer Anwürfe. Der Verunsicherung von außen wurde Stolz auf die eigene Kultur, Religion und Geschichte entgegengesetzt.

Nur wenige ließen sich beeindrucken von christlichen Missionierungsversuchen, gleich ob sie als Zwang oder in vermeintlicher Liebe vorgetragen wurden.

– Rabbinerin Dr.in Ulrike Offenberg