11. Dezember

O komm, o komm, du Morgenstern,
laß uns dich schauen, unsern Herrn.
Vertreib das Dunkel unserer Nacht
durch deines klaren Lichtes Pracht.
Freut euch, freut euch, der Herr ist nah.
Freut euch und singt Halleluja.
(EG 19, 1)


Kirche Neukirch
(Ev.-Luth. Kirchgemeinde Neukirch/Lausitz)

Der Anfang von Neukirch war ein kleines Dorf der Sorben mit Namen Wjazo´nca im dichten Waldgebiet des Valtenbergs, entlang des Rüsternbachs, der heutigen Wesenitz. Im 12. Jahrhundert kamen Siedler aus Franken und wurden hier sesshaft.

Da sie Christen waren, bauten sie eine Kirche mit dem Namen «Unserer Lieben Frauen» und nannten diesen neuen Ort «Neinkirgen». Erstmals erwähnt wurde Neinkirgen mit neun anderen Kirchdörfern in einer Urkunde vom 25. Februar 1222.

In der Mitte des 15. Jahrhunderts zerstörte ein Brand diese Holzkirche. Ein Neubau erfolgte in den Jahren 1476–1505. Wegen Bevölkerungszunahme und auch aufgrund der Baufälligkeit dieser Kirche beschloss der Rittergutsbesitzer Freiherr Ernst Ludwig Baron von Stein zum Altenstein den Bau der jetzigen barocken Kirche und legte am April 1723 den Grundstein. Als neuer Gutsherr förderte Graf Daniel Erasmus von Huldenberg den Kirchenbau bis zu seinem Tode 1733. Eine Büste mit
seinem Bildnis ist an der linken Seite des Altars über der Sakristeitür zu finden.

Schließlich wurde unter seinem Sohn Freiherr Georg Ludwig Erasmus von 1749 bis 1753 der Turm erbaut.

Der um 1750 gefertigte Altar wurde 1782 zum Kanzelaltar umgebaut und gilt als der einzige Rokokoaltar der Oberlausitz.

Beiderseits des Turmeinganges verweisen zwei Tafeln auf die nach der Reformation hier gewesenen Prediger. Als erster lutherisch gesinnter Pfarrer wurde 1529 Gregorius Schramm berufen.

Die 1873 geweihte Orgel ist das Erstlingswerk der Firma Hermann Eule, Bautzen. Das Instrument mit 2 Manualen und Pedal wurde 1942 grundlegend technisch umgebaut und klanglich verändert. Seitdem werden die Kegelwindladen vom freistehenden Spieltisch aus mittels elektropneumatischer Traktur angespielt. Die etwa 1 900 Pfeifen verteilen sich auf 29 Register.

Die 1887 gestifteten bunten Altarfenster zeigen die vier Evangelisten. Der Taufstein steht seit dem Lutherjahr 1883 in der Kirche.

Von 1990 bis 1993 erfolgte die Außensanierung von Kirche und Turm. In den Jahren 2001–2004 wurde der Innenraum der Kirche umfangreich saniert und nach Originalbefunden neu gestaltet. Die herrschaftliche Betstube erhielt eine schalldichte Verglasung damit gleichzeitig Kindergottesdienst oder Gesprächsgruppen stattfinden können. Im hinteren Teil des Kirchenschiffes wurde Platz geschaffen für Ausstellungen und Gemeindetreffen.

In der Kirche befinden sich zwei prächtige Kristallleuchter, die jüngst gereinigt und restauriert wurden. Derartige Zeugnisse böhmischer und oberlausitzer Glaskunst sind vornehmlich in den Kirchen des Oberlausitzer Berglandes anzutreffen. Solche Lüster dienten gewiss auch der Repräsentation des Wohlstandes, den die Industrialisierung des Jahrhunderts mit sich brachte, aber zugleich hatten diese Leuchter eine Wirkung, die wir heute nur schwer nachvollziehen können. In einer Zeit, in der es keine Elektrizität gab und Räume nur durch Fenster oder Kerzen erleuchtet wurden, hatte Licht eine viel höhere Bedeutung, als es uns bewusst ist. Wenn die Kristalle das Kerzenlicht reflektierten und hundertfach vervielfältigten oder auch nur das einfallende Tageslicht wiedergaben, waren die Menschen damals viel stärker emotional erfasst, als es uns kunstlichtverwöhnten Menschen heute vorstellbar ist. Somit bekamen diese Leuchter in den Kirchen eine fast theologische Bedeutung. Die Menschen spürten etwas von der Aussage Jesu Christi: «Ich bin das Licht der Welt.»

Zur Kirchgemeinde gehört auch das Dorf Ringenhain. Der ihm zugewandte Eingang im Süden unserer Kirche heißt Ringenhainer Halle. Der dort verwahrte restaurierte Grabstein von Pfarrer Carl Rudolph Reichel und die Buchstaben JCDG – Jesus Christus der Gekreuzigte – in der Wetterfahne erinnern an die Zeit der Herrnhuter Diaspora.

(Text und Fotos aus „Komm und sieh“, hrsg. vom Ev.-Luth. Kirchenbezirk Bautzen-Kamenz, Lusatia Verlag, Bautzen, 2011)