12. Dezember

Die Nacht ist vorgedrungen, der Tag ist nicht mehr fern.
So sei nun Lob gesungen dem hellen Morgenstern.
Auch wer zur Nacht geweinet, der stimme froh mit ein.
Der Morgenstern bescheinet auch deine Angst und Pein.
(EG 16, 1)


Kirche Reichenbach
(Ev.-Luth. Kirchgemeinde Reichenbach)

Im Reichenbach soll es bereits im 12. oder 13. Jahrhundert eine Kirche gegeben haben. Bekannt ist, dass 1606 eine neue gebaut worden war, die Mitte des 18. Jahrhunderts umfassend umgebaut und erweitert wurde, so wie wir sie gegenwärtig kennen.
Die Reichenbacher Kirche liegt auf dem umfriedeten Kirchhof, den man von der Hauptstraße durch einen malerischen Bogen betritt. Über den Eingangsportalen der Kirche befinden sich Inschriften in Form von Chronogrammen. Einzelne Buchstaben sind besonders hervorgehoben und ergeben, wenn sie als römische Ziffern gelesen und addiert werden, das Jahr der Erbauung der Kirche 1749. Eins der Chronogramme lautet zum Beispiel:

«HIer steht DurCh IesV GnaD eIn NeV erbaVtes
HaVs. Lass Lehrer, Hoerer, Herr, VergnVgt gehn eIn
VnD aVs.»

Die Reichenbacher Kirche ist ein schlichter rechteckiger Saalbau mit Rundbogenfenstern und einem Walmdach mit Dachreiter, der bereits 1792 erneuert werden musste. Darin befinden sich die Glocken und eine Turmuhr. Die Gestaltung des Innenraums erinnert an die in der Nachfolge George Baers entstandenen sächsischen Kirchen, deren Ausstattung durch die der Dresdner Frauenkirche beeinflusst wurde.
Das Kirchenschiff wird an den Längsseiten von je zwei umlaufenden Emporen umschlossen. Im Westen befindet sich die Herrschaftsloge, die über zwei Etagen reicht. Auf der Ostseite steht ein für evangelische Kirchen im 18. Jahrhundert typischer barocker Kanzelaltar mit korinthischen Säulen.
Als man 1826 die Orgel aufstellte, wurden die obere Empore und der Aufsatz des Altars dafür anscheinend verändert. Diese kleine, einmanualige romantische Orgel stammt von Gottlob Heinrich Nagel aus Großenhain und hat 13 Register. Sie wurde 2007 restauriert.
Die Taufe stammt noch aus der Erbauungszeit der Kirche in der Mitte des 18. Jahrhunderts und wurde nach einer umfassenden Restaurierung 1981 wieder in der Kirche aufgestellt. Bei dieser Innenrestaurierung hat man unter einem einfarbigen Anstrich die barocke Bemalung wiederentdeckt und freigelegt so wie die Marmorierung an Emporen, Altar und der hölzernen Taufe wiederhergestellt. So erlebt der Besucher wieder eine sehr malerische ländliche Barock-Kirche.
Reichenbach bildet gemeinsam mit Oberlichtenau, Leppersdorf und Pulsnitz ein Schwesterkirchverhältnis.

(Text und Fotos aus „Komm und sieh“, hrsg. vom Ev.-Luth. Kirchenbezirk Bautzen-Kamenz, Lusatia Verlag, Bautzen, 2011)