13. Dezember – 3. Advent

Tochte Zion, freue dich, jauchze laut, Jerusalem!
Sieh, dein König kommt zu dir, ja er kommt, der Friedefürst.
Tochte Zion, freue dich, jauchze laut, Jerusalem!
(EG 13, 1)



Klosterkirche St. Annen Kamenz
(Ev.-Luth. Kirchgemeinde Kamenz)

Die Klosterkirche St. Annen ist der einzige erhaltene Teil des früheren Franziskanerklosters. Der Grundstein wurde am Mai 1493 gelegt. Nach der Reformation wurden in der Kirche die evangelischen Gottesdienste für die sorbischen Dörfer gehalten.


Das Klostergebäude diente als Ratslateinschule, wurde aber beim Stadtbrand 1842 vernichtet. Die Kirche erlitt nur geringfügige Schäden. Sie wurde im neogotischen Stil eingerichtet. Aus dieser Zeit stammt auch die zweimanualige, mechanische Schleifladenorgel von Johann Gottlob Mende.

Obwohl Kamenz in der Mitte des 16. Jahrhunderts endgültig zur Reformation überging, haben sich in Kamenz immerhin acht wertvolle mittelalterliche Schnitzaltäre erhalten. Fünf dieser Altäre beherbergt die Klosterkirche. Zu ihnen gehört der vierflügelige Franziskus-Altar, der in einem ausführlichen Zyklus das Leben des heiligen Franziskus zeigt. Im Mittelschrein ist die Stigmatisierung des Franz von Assisi zu sehen.

Als Gesamtensemble ist die Klosterkirche St. Annen der westlichste Punkt der touristischen Route Via Sacra, die Sachsen, Böhmen (Tschechien) und Schlesien (Polen) verbindet.

Bereits in den vergangenen Jahren haben die Stadt und die Kirchgemeinde das Gebäude verstärkt für Ausstellungen und Konzerte genutzt. Im Rahmen einer Nutzungserweiterung und in Kooperation mit der Stadt werden in der Klosterkirche seit August 2011 bedeutende sakrale Kunstgegenstände aus dem Besitz der Kirchgemeinde gezeigt: Abendmahlsgeräte, Andachtsbilder, Gemälde und Bücher.

Den Mittelpunkt bilden die vorhandenen fünf gotischen Altäre. Durch erläuternde Texte wird das religiöse Leben in verschiedenen Themenkomplexen dargestellt, zum Beispiel die Gründung des Franziskanerklosters, die Heiligenverehrung und die Reformation. Dies alles wird durch al-secco-Malereien aus der Zeit um 1512 bekrönt, die freigelegt wurden. Hoch oben im Gewölbe des Altarraumes erstrahlt eine farbenprächtige Himmelswiese.

Am Triumphbogen ist Anna Selbdritt, Anna mit Maria und dem Jesuskind, zu sehen. Es handelt sich um eine für diese Region einmalige Darstellung.

Die Ausstellung wird von der Stadt Kamenz betreut. In einem neuen Anbau an der Südseite des Kirchenschiffes ist die Stadtinformation untergebracht. Dennoch bleibt die Klosterkirche weiterhin kirchliches Eigentum und als Kirche gewidmet. Zu besonderen Anlässen wird sie für Gottesdienste und Andachten sowie im Sommerhalbjahr für eine regelmäßige Orgelkonzertreihe genutzt.

Das Gelände um die Klosterkirche ist alljährlich Ausgangspunkt für zwei Umzüge durch die Stadt. Immer in der Woche um den 24. August (Bartholomäustag) findet in Kamenz das Forstfest statt, ein altes Schul- und Heimatfest. Die weiß gekleideten Schülerinnen und Schüler ziehen
unter Klängen zahlreicher Musikgruppen von der benachbarten Schule um die Kirche zum Marktplatz und in die Unterstadt. Dabei tragen sie unter anderem Blumenkränze, Füllhörner und Fahnen.

Am Heiligen Abend 18 Uhr treffen sich an der Kirche die Sängerinnen und Sänger des evangelischen und des katholischen Kirchenchores. Zusammen mit Bläsern ziehen sie im Fackelschein zum Markt, wobei sie das Lied «Vom Himmel hoch» singen. Am Rathaus erklingen weitere christliche Weisen, auch das aus Herrnhut stammende «Hosianna, gelobet sei der da kommt». Dieses Lied hat dem gemeinsamen Singen den Namen gegeben: HosiannaSingen

(Text und Fotos aus „Komm und sieh“, hrsg. vom Ev.-Luth. Kirchenbezirk Bautzen-Kamenz, Lusatia Verlag, Bautzen, 2011)