15. Dezember

Es kommt ein Schiff, geladen bis an sein´höchsten Bord,
trägt Gottes Sohn voll Gnaden, des Vaters ewigs Wort.
(EG 8, 1)


Friedhofskapelle Saritsch
(Ev.-Luth. Kirchgemeinde Neschwitz)

Da den Gläubigen Gottes Wort wichtig, der Weg zur Kirche in Neschwitz für einen Teil der evangelischen Gemeindeglieder aber recht weit war, wurde Anfang des Jahrhunderts in Saritsch eine Kapelle errichtet.

Die Gemeindeglieder hatten beschlossen, sich ein kleines Kirchlein zu
bauen, um so einen würdigen Treffpunkt für Gott und die Menschen zu schaffen. Die Grundsteinlegung erfolgte am 7. Juni 1907. Der Entwurf stammt von Architekt Reuter aus Dresden. Die Ausführung des Vorhabens übernahmen verschiedene einheimische Firmen, während Gemeindeglieder den Bau unterstützten. Sie brachten Gaben, halfen auf der Baustelle mit Fuhren oder legten selbst Hand an.

Am Neschwitzer Kirchweihsonntag, dem 19. Oktober 1908, wurde die Kapelle feierlich eingeweiht. Bei der letzten Renovierung 2003/04 sollte die stille Schönheit dieser kleinen Kirche erneut sichtbar gemacht werden. Geplant war, die Innengestaltung entsprechend der ursprünglichen Ausmalung vorzunehmen. Voller Sorge wurden die Kosten errechnet und Finanzierungsmöglichkeiten geprüft. Die Verantwortlichen spürten, dass Gottes Segen auf diesem Vorhaben lag. Staatliche wie auch kirchliche Stellen und private Sponsoren und Spender sagten ihre Unterstützung zu. Das Arbeitsamt schickte nicht nur arbeitslose, sondern viel mehr arbeitsuchende Menschen auf die Baustelle nach Saritsch. Nun schmückt den Altarraum wieder ein gemalter Wandbehang, der eine Kreuzstickerei imitiert und durch eine schlichte Borte abgeschlossen wird. Im Kirchenschiff, über dem Sockel, rahmen luftige Blattranken, Zeichen des
Wachstums, die Fenster. Ein kräftig gemalter Fries bildet den Wandabschluss zur schönen hölzernen Decke.

«Das alles zeigt uns die Andacht, mit der sich unsere Vorfahren hier umgaben.», wurde in der Rede zur Wiedereinweihung der Saritscher Kirche festgestellt. Im Altarraum lesen wir ein Bibelwort (Hebräer 13,8) in Altsorbisch: «Jesuß Khrystuß wcžera a d ´zenßa a tón ßamy tež do wˇecžnosc´ze» («Jesus Christus gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit»). Im Kirchenschiff wird dieses Wort durch den Spruch «Ergreife das ewige Leben, dazu du auch berufen bist» (aus 1.Tim 6,12) in deutscher Sprache ergänzt. Das wollten unsere Vorfahren wohl ihren Kindern und Enkeln mit auf den Weg geben. So soll die Saritscher Kirche nicht nur ein Baudenkmal, sondern vor allem eine Stätte lebendigen Glaubens sein.

Im Jahre 2009 bekamen die Saritscher eine kleine Orgel geschenkt. Zu hohen Festtagen und im Sommerhalbjahr werden in der Saritscher Kirche Gottesdienste gefeiert. Außerdem wird sie gern für Trauungen oder Konzerte genutzt.

(Text und Fotos aus „Komm und sieh“, hrsg. vom Ev.-Luth. Kirchenbezirk Bautzen-Kamenz, Lusatia Verlag, Bautzen, 2011)