16. Dezember

Nun jauchzet, all ihr Frommen,
zu dieser Gnadenzeit,
weil unser Heil ist kommen,
der Herr der Herrlichkeit,
zwar ohne stolze Pracht,
doch mächtig zu verheeren
und gänzlich zu zerstören
des Teeufels Reich und Macht.
(EG 9, 1)


Kirche Wallroda
(Ev.-Luth. Kirchgemeide Arnsdorf-Fischbach-Wallroda)

Über den Ursprung der Kirche gibt es keine zuverlässigen Angaben. Der Ortsname Wallroda wird von den Historikern entweder von «Waldroden» oder von «Wallroden» abgeleitet. Möglicherweise gab es hier einen Wallfahrtsort mit einer Kapelle. Die erste urkundliche Erwähnung einer hiesigen Kirche stammt aus dem 14. Jahrhundert.


Typisch für unsere Gegend ist der hochaufragende Dachreiter, der 2001 komplett erneuert wurde.


Kostbarstes Inventar ist ein spätgotischer Flügelaltar, der im Schrein eine Mondsichelmadonna und zwei weitere Heilige enthält. Auf den Flügeln sind Darstellungen aus Heiligenlegenden zu sehen. In der Passionszeit wurden die Flügel zusammengeklappt, auf der Rückseite wurde eine schlichte Darstellung der Verkündigung an Maria durch den Engel Gabriel sichtbar. Man sprach von einem «Fasten der Augen» bis zum Ostermorgen. Dann wurde der Altar geöffnet und die goldene Pracht war wieder zu sehen.

Taufstein und Holzkanzel entstanden um 1650. Etwa 500 Jahre alt ist der Abendmahlskelch, der noch aus katholischer Zeit stammt, zu besonderen Sakramentsfeiern verwendet wird und an dessen Knauf Maria steht.

Dieser Kelch verkündet ein Stück Kriminalgeschichte, die in der Kuppa desselben eingraviert worden ist: Er wurde zweimal, nämlich 1593 und 1802, aus der verschlossenen Kirche gestohlen und doch wieder von der Polizei gefunden und zurückgebracht.

Von 1865 bis 1902 besaß die Wallrodaer Kirche eine Silbermann-Orgel, die aber aus Geldmangel an Privathand verkauft wurde und heute im Dom zu Bremen zu hören ist.


Unterhalb der Kirche steht das Pfarrhaus von 1794, ein für den Frühklassizismus typisches Bauwerk mit regelmäßig aufgegliederter Fassade und einem Krüppelwalmdach. Über der Eingangstür ist zu lesen: «Dieses Pfarrhaus wurde 1794 auf Kosten beider Kirchen und Gemeinden errichtet.» Schon damals legte die Wallrodaer Schwestergemeinde Arnsdorf großen Wert darauf, dass sie sich an der Finanzierung des Pfarrhausbaues wesentlich beteiligt hat.


Im Zuge der Strukturreform sind die Kirchgemeinden Wallroda und Arnsdorf seit 2008 mit Fischbach vereinigt und bemühen sich, unter Bewahrung örtlicher Traditionen eine gemeinsame Identität zu entwickeln.

(Text und Fotos aus „Komm und sieh“, hrsg. vom Ev.-Luth. Kirchenbezirk Bautzen-Kamenz, Lusatia Verlag, Bautzen, 2011)