17. Dezember

Michael Pöche

Mein Name ist Michael Pöche. Seit 2001 – also seit nunmehr 20 Jahren – bin ich Kantor in Kamenz. Bis zur Vereinigung der Kirchenbezirke Kamenz und Bautzen 2010 war ich Kirchenmusikdirektor für den Kirchenbezirk Kamenz. Seitdem bin ich stellvertretender KMD in unserem großen Kirchenbezirk Bautzen-Kamenz. Geboren in Herrnhut (Oberlausitz) und aufgewachsen in einem harmonischen Pfarrhaus – in dem Musik eine entscheidende Rolle spielte –, habe ich Glaube und Kirche sozusagen „aufgesogen mit der Muttermilch“. Die unmittelbare Nachbarschaft zu Herrnhut und die geistliche Ausstrahlung der Brüdergemeine ließen mich bereits als Kind Ökumene als unkompliziert und selbstverständlich erleben. Das Erleben von Schule im Sozialismus als Pfarrerskind wiederum hat von klein auf mein Christsein als Bekenntnissituation geprägt. Dieses bewusste Bekennen dessen, was mir als Christ wichtig ist, das ist bis jetzt Richtschnur meines Handelns im Dienstlichen wie Privaten.

Bedingt durch Corona hat es sich gefügt, dass mir unsere Kanzel der Hauptkirche St. Marien in ganz besonderer Weise ans Herz gewachsen ist. In den Jahren 2020 / 2021 konnte sie in unvergleichlich schöner Weise restauriert werden. Dies wiederum war Ansporn für mich, das theologisch-ikonographische Programm der Kanzel für mich zu entdecken. Und das hat es tatsächlich „in sich“:

Geschaffen 1564-1566 vom Kamenzer Künstler Andreas Dressler, ist sie DIE Bekenntniskanzel der Reformation in der Oberlausitz und darüber hinaus ein beeindruckendes Christus-Zeugnis. An zentraler Stelle ist platziert das Jesus-Wort aus dem Johannes-Evangelium: EGO SUM LUX MUNDI – ICH BIN DAS LICHT DER WELT. Gerade in dieser zweiten Adventszeit unter erschwerten Corona-Bedingungen kann es nicht genug Licht geben – innerlich wie äußerlich. Kann es nicht größeren Zuspruch und Trost in dieser doch so Trost-armen Zeit geben als diesen Zuspruch von Jesus selbst: „ICH bin das Licht der Welt.“?!

Dieses außerordentliche Kunstwerk dieser Kanzel regte mich als Kirchenmusiker an, ausgewählte Bibeltexte bzw. Darstellungen in Klang umzusetzen und ein Stück zu komponieren – die „Kamenzer Kanzelsprüche“. Das „EGO SUM LUX MUNDI“ spielte dabei eine zentrale Rolle. Am Reformationstag, 31. Oktober, konnten wir dieses Stück in einem festlichen Gottesdienst unter Beteiligung einer großen Gemeinde uraufführen und die Dressler-Kanzel wieder in Dienst nehmen. Es war vielleicht für die Kamenzer Kirchgemeinde DER Höhepunkt im zu Ende gehenden Jahr.

Zwei zur Advents- und Weihnachtszeit passende Motive der Kanzel möchte ich kurz vorstellen: Zum einen die mit „Wurzel Jesse“ betitelte Bildtafel. Auf unvergleichlich einmalige und eindrückliche Weise ist diese Ankündigung bzw. Weissagung des kommenden Messias ins Bild gesetzt: Aus der Wurzel Isais geht König David hervor, aus dessen Herzen ein Ast herauswächst. Er nimmt die Gestalt einer Blüte an, aus der ein Kind hervorkommt, das auf Maria zuschwebt. Ein weiteres Motiv ist die Geburt Jesu am Kanzelkorb. Mich beeindruckt insbesondere die Anmut, mit der der Künstler Andreas Dressler die Gesichter von Maria und auch Joseph gestaltet hat. Der Esel ist etwas verschmitzt dargestellt mit einem blinzelnden Auge, das Christus-Kind wiederum als kräftig-proppiges Neugeborenes. Nebenbei bemerkt: Den Ochsen erkennt man erst auf den zweiten oder dritten Blick … – haben Sie ihn gefunden?

Ich wünsche Ihnen allen eine gesegnete Advents- und Weihnachtszeit.
Ihr Michael Pöche