17. Dezember

Wie soll ich dich empfangen und wie begegn ich dir,
o aller Welt Verlangen, o meiner Seele Zier?
o Jesu, Jesu setze mir selbst die Fackel bei,
damit, was dich ergötze, mir kund und wissend sei.
(EG 11, 1)


Kirche Putzkau
(Ev.-Luth. Kirchgemeinde Putzkau)

Über mehrere Kilometer entlang des Wesenitztales zieht sich der aus einem Waldhufendorf entstandene Ort Putzkau. Das heute mit Schmölln zu einer politischen Gemeinde verbundene Dorf gehörte viele Jahrhunderte zu Kursachsen und war so lange Zeit dem Amtsbereich Stolpen unterstellt.

Unter den Gutsherrschaften sei besonders Jacob Heinrich Reichsgraf von Flemming erwähnt, der als Generalfeldmarschall und Kabinettsminister unter August dem Starken großen Einfluss auf die sächsische Geschichte seiner Zeit hatte. Seine letzte Ruhestätte befindet sich in der Gruft an der Südseite der Putzkauer Kirche, wo er 1728 beigesetzt wurde.

Die Putzkauer Kirche erhebt sich auf einer kleinen Anhöhe am Rande der Wesenitz. Ihre heutige äußere Erscheinung rührt im Wesentlichen von den Umbauten zu Beginn des 18. Jahrhunderts her. Die Kirche, die 1386 erstmals erwähnt worden war, erhielt 1706 einen Turm anstelle eines Dachreiters. Bereits ein Jahr zuvor war hier das Kirchenschiff erhöht worden. An die Vorgängerkirche erinnern heute noch die Strebepfeiler an den Außenmauern, das Westportal am Turm und drei Epitaphe in der Kirche. Das Denkmal des 1694 verstorbenen Erhard von Haugwitz diente bis 1891 als Bodenplatte im Altarbereich, bis es bei Bauarbeiten entdeckt wurde und vorerst in der Kirche, später dann im Turm Aufstellung fand.

Betreten wir heute den Kirchensaal mit seinem großen, fast quadratischen Chor, beeindruckt die hervorragend restaurierte Raumfassung, die dem umfassenden Umbau unter der Leitung des Pirnaer Baumeisters Theodor Quentin in den Jahren 1891/92 zu verdanken ist.

Dabei wurde der als Sakristei dienende südliche Anbau abgerissen und eine neue Sakristei im Osten errichtet. Die hölzernen Emporenaufgänge ersetzte er durch vorgelagerte Treppentürme an der Westseite des Kirchenschiffes und gleichzeitig wurde der gesamte Innenraum neu gestaltet. Einzig die Kristalllüster von 1841 und 1883 fanden weiterhin Verwendung.

Trotz der dunklen Holzdecke wirkt der Raum hell und freundlich, was gewiss auch dem offenen Altarbereich zuzuschreiben ist. Etwas unglücklich konstruiert wirkt nur die hinter den Altar an die Wand gesetzte Kanzel. Ohne weitere architektonische Zutat, selbst ohne Schalldeckel, erweckt sie eher den Eindruck eines kleinen Balkones als den des zentralen Ortes der Evangeliumsverkündigung. Zudem ist diese Kanzel seit einem Umbau der Sakristei in den neunziger Jahren nicht mehr zugänglich.

Die an die Nordseite des Chores angesetzte Schall-Riaucoursche Loge wurde 1994 liebevoll zum Kindergottesdienstraum umgestaltet.

Eine nicht unerhebliche Prägung erlebt die Kirchgemeinde durch die lebendige kirchenmusikalische Arbeit, die Besucher auch aus der Umgebung anzieht.

(Text und Fotos aus „Komm und sieh“, hrsg. vom Ev.-Luth. Kirchenbezirk Bautzen-Kamenz, Lusatia Verlag, Bautzen, 2011)