2. Dezember

Gott, heilger Schöpfer aller Stern,
erleucht uns, die wir sind so fern,
dass wir erkennen Jesus Christ,
der für uns Mensch geworden ist.
(EG 3,1)


St. Georg-Kirche Prietitz
(Ev.-Luth. Kirchgemeinde Elstra-Prietitz)

Als die Kirchgemeinde Prietitz im November des Jahres 1880 ihr 600-jähriges Bestehen feierte, geschah dies auf die Anmerkung im alten Kirchbuch hin, dass eine Jungfrau von Ponickau 1280 eine dem Heiligen Georg gewidmete Kapelle gestiftet haben soll. Aber diese Behauptung ist nicht belegbar, auch die Adelsfamilie derer von Ponikau ist in dieser Gegend für diese Zeit nicht nachzuweisen. Doch ist es durchaus möglich, dass schon in den frühen Zeiten der Christianisierung in der Vorburgsiedlung Prietitz eine Kapelle existiert hat. Trotz dieser Unsicherheit hält sich das genannte Jahr 1280 als Gründungsdatum bis in die neueste Literatur hinein, wohl aus dem Wunsch heraus einen greifbaren Zeitpunkt benennen zu können. Das beschriebene Kirchweihjubiläum war Anlass dafür, Baumeister Gotthilf Ludwig Möckel mit dem Bau einer neuen Kirche zu beauftragen. Schließlich war das alte Kirchgebäude, das seine Ursprünge durchaus im Jahrhundert gehabt haben kann, so hinfällig geworden, dass man zu der Meinung kam, weitere Reparaturen seien nicht sinnvoll. So wurde dieser Bau 1881 fast vollständig abgetragen, auf den Grundmauern die neue Kirche errichtet und im selben Jahr geweiht. In der sonst recht schmucklosen neuen Kirche mit dem auffallend hohen Dachreiter blieben einige Ausstattungsstücke der alten Kirche erhalten. An erster Stelle ist hier der prächtige, in bäuerlicher Renaissance gehaltene Altar aus dem Jahr 1646 zu nennen, mit dem Sophia von Ponickau, geb. Minckwitz, sich und ihrer Familie, gemäß der damaligen Frömmigkeit, das Gedächtnis und die anhaltende Fürbitte durch die Gemeinde sichern wollte. In der Tradition des lutherischen Bildprogrammes stellt der Altar das österliche Geschehen von Gründonnerstag bis Ostersonntag dar: in der Predella die gemalte Darstellung des Abendmahls, im Hauptfeld die Kreuzigung mit Maria und Johannes als Schnitzfiguren, darüber, wiederum gemalt, die Grablegung und im Aufsatz die Auferstehung. Die Familie des Wolf von Ponikau flankiert das Hauptbild anbetend. Ebenfalls der andenkenden Fürbitte dienen die zum Teil sehr schönen aus Stein oder Holz gefertigten Epitaphe, welche die Kirchenwände innen und außen schmücken. Auch der schlichte Kanzelkorb von 1636 mit den gemalten Darstellungen des Salvator Mundi und der Evangelisten Johannes und Lukas von Georgio Horn stammt aus der Vorgängerkirche.
1977 musste das Gebäude wegen akuten Schwammbefalls baupolizeilich gesperrt werden. Nur dem Einsatz vieler Gemeindeglieder ist es zu danken, dass die Kirche nach der Sanierung Ende 1979 wiedergeweiht werden konnte. Probleme bereiten den Prietitzern die Strukturanpassungen. Nachdem 1932 die Selbständigkeit des Prietitzer Pfarramtes geendet hatte, erfolgte 1998 die endgültige Vereinigung mit Elstra. Vielleicht gelingt es in Zukunft, aus dieser Verbindung einer Dorfgemeinde mit der Gemeinde einer Kleinstadt für beide Seiten Vorteile zu ziehen.

(Text und Fotos aus „Komm und sieh“, hrsg. vom Ev.-Luth. Kirchenbezirk Bautzen-Kamenz, Lusatia Verlag, Bautzen, 2011)