20. Dezember – 4. Advent

Hosianna, Davids Sohn, sei gesegnet deinem Volk!
Gründe nun dein ewig Reich, Hosianna in der Höh!
Hosianna, Davids Sohn, sei gesegnet deinem Volk!
(EG 13, 2)


Dom St. Petri Bautzen
(Ev.-Luth. Kirchgemeide St. Petri Bautzen)

Die Evangelisch-Lutherische Kirchgemeinde St. Petri Bautzen zählt zu den größten Kirchgemeinden der Landeskirche Sachsens und ist Sitz der Superintendentur des Kirchenbezirkes Bautzen-Kamenz. Sie umfasst mit ihren drei Kirchen, der Maria-und-Martha-Kirche, der Taucherkirche und dem Dom St. Petri, das Gebiet der Stadt Bautzen. Das vielfältige Gemeindeleben ist im 2009 sanierten Kirchgemeindehaus Am Stadtwall 12, dem ehemaligen Domizil des örtlichen Christlichen Vereins Junger Menschen beheimatet.

Hauptkirche der Gemeinde ist der Dom St. Petri. Er ist die größte Simultankirche Deutschlands und zählt zu den wichtigsten Kirchenbauten Sachsens. Der Dom ist der älteste Kirchenstandort der Oberlausitz. Seit mehr als 1 000 Jahren glauben, beten, hoffen Menschen an diesem Ort.

Bereits um das Jahr 1000 ließ Graf Eido von Rochlitz an der Stelle des heutigen Domes die erste Pfarrkirche errichten. 1213 erfolgte die Gründung des Kollegiatsstiftes St. Petri und am 24. Juni 1221 wurde der erste Bau geweiht. Einige Bauteile aus dieser Zeit sind noch erhalten, zum Beispiel das Westportal.

1430 erhielt der Dom seine heutige Gestalt. Von 1456 bis 1463 wurde der spätgotische Hallenbau um ein südlich gelegenes viertes Schiff erweitert. Nach dem großen Stadtbrand von 1634 zog dann im Inneren ein barocker Stil ein.

Der Dom wurde in seiner Geschichte oft restauriert, von 2005 bis 2007 die Fassade und die Fenster. Die herausragende Besonderheit ist die Teilung der Kirche. Nach der Reformation wurde der Dom 1524 de facto Simultankirche (römisch-katholisch und evangelisch-lutherisch) – die älteste Deutschlands.

Nach langem Ringen von Protestanten und Katholiken schlossen der Bautzener Rat und das Domstift 1543 den ersten Vertrag, der die Nutzung der Kirche durch beide Konfessionen regelte. Weitere Verträge folgten noch im 16. Jahrhundert zu Zeiten des Domdekans Johann Leisentritt.

Der Domteil östlich des Lettnergitters wurde weiterhin vom Domstift und der katholischen Gemeinde genutzt. Die Protestanten feierten ihre Gottesdienste im Westteil. Auch die zeitliche Trennung der Gottesdienste ist seit dieser Zeit vertraglich festgelegt.

Trotz dieser Trennung kann das Gitter als äußeres Zeichen gewachsener Ökumene gelten. Bis Mitte des 19. Jahrhunderts hatte es noch eine Höhe von 4,50 Metern, heute ist es nur noch einen Meter hoch.

Neben vielen gemeinsamen ökumenischen Gottesdiensten ist es aber bis heute so, dass beide Gemeinden ihre Gottesdienste am Sonntagmorgen nacheinander feiern. 9 Uhr beginnt die katholische Messe, 10.30 Uhr feiert die evangelische Gemeinde ihren Gottesdienst. Gemeinsam leben evangelische und katholische Christen unter einem Dach. Der Dom ist deshalb auch ein wegweisender symbolischer Ort für die Einheit der Christen und für gemeinsamen, verbindenden Glauben.

Von 1848 bis 1851 trat das Domstift den evangelischen Domteil an den Stadtrat ab, wodurch das Gitter zur Grundstücksgrenze wurde. Die Domverträge sind heute noch gültig und bilden die rechtliche Grundlage für das Simultaneum im Bautzener Dom St. Petri.

1921 ist durch Papst Benedikt XV. das Bistum Meißen mit Sitz in Bautzen wiedererrichtet worden. 1980 aber wurde der Bischofssitz nach Dresden verlegt. Der Bautzener Dom ist seitdem Konkathedrale des Bistums Dresden-Meißen.

Von der reichen Ausstattung des Domes ist besonders der Südaltar sehens wert. Er ist als dreigeschossiger Epitaphaltar von den Bautzener Bürgern noch im Dreißigjährigen Krieg auch als ein Glaubensbekenntnis errichtet worden. Zentrum des Altars ist die Kreuzigungsszene mitten in der Stadt Bautzen.

Von außen ist deutlich erkennbar, dass der Bau eines zweiten Kirchturmes vorgesehen war. Dies ist an der asymmetrischen Bauweise zu erkennen, wenn man vor dem Haupteingang an der Längsseite am Bauwerk hinaufschaut.

Am Turm befindet sich ein außenliegender Aufzug, der vom Türmer zum Heraufziehen seiner Einkäufe benutzt wird. Noch heute wird der Turm von einem Türmerehepaar bewohnt.

(Text und Fotos aus „Komm und sieh“, hrsg. vom Ev.-Luth. Kirchenbezirk Bautzen-Kamenz, Lusatia Verlag, Bautzen, 2011)