21. Dezember

Seht auf und erhebt eure Häupter,
weil sich eure Erlösung naht,
weil sich eure Erlösung naht!
(EG 21)


Kirche St. Nikolai Cunnersdorf
(Ev.-Luth. Kirchgemeide Cunnersdorf)

Seit erst rund 100 Jahren gibt es die Kirche in Cunnersdorf. Am Juli 1907 wurde sie geweiht. Dem voraus ging ein unermüdliches Streben der Ortsteile Cunnersdorf, Hausdorf, Schönbach und Biehla, ein eigenes Kirchspiel zu gründen.

Großen Anteil daran hatte der Rittergutsbesitzer Bernhard von Lippe, dessen Wappenzeichen, die Lippische Rose, in der Kirche an der Patronatsloge zu finden ist. Er schenkte der Kirchgemeinde den Bauplatz auf dem Windmühlenberg und war fortwährend unterwegs, um Baumaterialien und Spenden zu beschaffen. Architekt Woldemar Kandler fertigte den Entwurf und Gemeindeglieder und Kirchenfreunde stifteten die Ausstattung. Die neue Kirche sollte weithin sichtbar auf dem höchsten
Punkt der Dorfflur errichtet werden.

Heute versteckt sich die Cunnersdorfer Kirche hinter ausladenden Bäumen und nur die Kirchturmspitze leuchtet golden im Sonnenschein. Die Glocken der Cunnersdorfer Kirche stammen aus der alten Coswiger Dorfkirche. Dass sie heute noch läuten, grenzt schon fast an ein Wunder. Sowohl vor dem Einbau an ihrem neuen Bestimmungsort als auch in den beiden Weltkriegen sollten sie jeweils eingeschmolzen werden. Gott sei Dank blieben sie bewahrt.

Ende der neunziger und Anfang des neuen Jahrtausends Jahre wurden Glocken, Glockenstuhl und Glockensteuerung umfangreich instand gesetzt. Dieses Vorhaben gestaltete sich äußerst schwierig. Doch auch hier zeigte sich in der Vielzahl der Spenden wieder die Verbundenheit der Gemeindeglieder mit ihrer Kirche.

Auch die Orgel hatte bereits in einer anderen Kirche ihren Dienst getan, bevor sie nach Cunnersdorf kam. Denkbar schlecht war ihr Zustand und entsprechend niedrig der Kaufpreis. Doch auch sie versieht bis heute wacker ihren Dienst und erfreut mit ihrem Klang die versammelte Gemeinde. Sie wurde von der Firma Jahn aus Dresden erbaut und ist die wahrscheinlich älteste erhaltene Jahn-Orgel. Wegen ihrer wechselvollen Geschichte vor ihrer Cunnersdorfer Zeit hat sie einen hohen ideellen Wert.

Mit vielen Spenden unterstützen die Kirchgemeindeglieder und Einwohner der zur Kirchgemeinde gehörenden Ortsteile seit etwa 15 Jahren die Restaurierung der Orgel.

Bis Mitte der fünfziger Jahre schmückte eine aufwendige Decken- und Wandmalerei den Innenraum der Kirche. Als hier nach dem Krieg eine Renovierung unumgänglich war, folgte man dem Trend zur einfarbigen und schlichten Gestaltung.

Sicher spielten auch Geldmangel und die schlechten Lichtverhältnisse eine Rolle. Aus heutiger Sicht bedauern wir die damalige Entscheidung. Obwohl eine Wiederherstellung der dekorativen Malereien überaus wünschenswert ist, kann dieses kostenintensive Projekt vorerst nicht in Angriff genommen werden.

«Wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen, spricht Jesus Christus.» Diese Worte aus dem Matthäusevangelium mit dem Mut zur kleinen Zahl stehen fast täglich über der Gemeindearbeit in der kleinen Cunnersdorfer Kirchgemeinde.

Jeder kann seine Nische finden. Angeboten werden Christenlehre, ein Hobbyund Handarbeitskreis, eine Theatergruppe und ein Seniorenkreis. Das 100-jährige Kirchjubiläum brachte, wie 1907, alle auf die Beine – bei der Gestaltung eines prächtigen Festumzuges.

(Text und Fotos aus „Komm und sieh“, hrsg. vom Ev.-Luth. Kirchenbezirk Bautzen-Kamenz, Lusatia Verlag, Bautzen, 2011)