24. Dezember – Heiligabend


Ich wohne mit meiner Familie in einem großen Haus. Jeder hat sein eigenes Zimmer und darf selber entscheiden, was darin geschieht. Als Familie haben wir vereinbart, dass wir vor dem Eintreten anklopfen und auf das Hereinbitten warten. Hinter jeder Türe lebt ein Mensch der das Recht hat ja oder nein zu sagen, herein oder jetzt nicht. Das ist eine Frage des Anstandes und Respektes untereinander. Das ist uns heilig.

Am Heiligen Abend beobachten wir diesem Vorgang bei Gott. An diesem Abend klopft Gott an meine Herzenstür und fragt, ob er bei mir eintreten darf. Er bricht meine Herzenstür nicht mit Gewalt auf. Er breitet sich nicht ungebeten im Herzenszimmer aus. Er drängelt nicht. Er fragt höflich: darf ich zu dir kommen, dich besuchen? Du darfst entscheiden, wenn es für dich zu viel wird. Dieser Umgang ist Gott heilig. Mich überrascht Gottes Sanftheit. Ich bin berührt, geehrt und froh, dass der Heilige Gott zu mir kommt. Auf der anderen Seite spüre ich Unsicherheiten und Zweifel, die in mir hochsteigen. Wie geht das, dass der ewig Heilige, gelobt sei er, in meinem kleinen Herz Platz findet?

Der Heilige Abend, die Heilige Nacht sagt und zeigt mir, wie Gott die Ewigkeit verlässt und in die Endlichkeit der Welt kommt. Er gibt alles auf, wird ein vergänglicher Mensch wie ich, um mir auf Augenhöhe zu begegnen. Er verzichtet auf Unterschiede und Vorteile, um mir nahezu sein. Er wird als Menschenkind geboren, ist nackt und bedürftig. Er wird in eine Futterkrippe gelegt, damit er den unbarmherzigen Menschen Barmherzigkeit bringt. Der Heilige Gott hebt in seiner Güte alle menschliche Verdorbenheit auf, damit wir Hoffnung und Frieden erhalten. Das ist für mich das Besondere des Heiligen Abends, den wir mit dem Verstand nur schwer ergründen, aber im Vertrauen glauben dürfen.

Ich wünsche Ihnen, dass Sie diesen Abend als Heiligen Abend Gottes wahrnehmen und erleben.

So grüßt Sie Ihr Pfarrer Martin Roth aus Arnsdorf-Fischbach-Wallroda