24. Dezember – Heiligabend

Tilmann Popp

Mein Name ist Tilmann Popp. Seit zweieinhalb Jahren darf ich als Superintendent den Kirchenbezirk Bautzen-Kamenz leiten. Gott sei Dank muss ich das nicht allein tun. Kraft für diese Aufgabe bekomme ich als erstes von Gott selbst. Bei meiner Einführung im Bautzner Dom war der mir persönlich zugesprochene Segen Gottes ein wichtiges Element. Dass dieser Segen keine einfache Floskel, sondern ein tragendes Fundament ist, spüre ich täglich neu. Vor allem durch die Menschen, die mir Gott an die Seite stellt. Da sind zunächst meine Frau und unsere drei Kinder, aber auch die vielen Menschen, die haupt- und ehrenamtlich an der Kirche in unserem Bereich mitbauen. Dass ich mit vielen, ganz unterschiedlichen Menschen zu tun habe, macht für mich einen Reiz meiner Arbeit aus. Manchmal ist das auch nicht ganz einfach. Jeder Mensch ist eine besondere Persönlichkeit und will entdeckt werden.

Ich könnte mir vorstellen, dass es Gott da ähnlich geht. Er muss ein besonderes Interesse an uns Menschen haben. Sonst hätte er sich nicht auf den Weg zu uns gemacht. Heute am 24. Dezember feiern wir Heiligabend. Wir feiern, dass Gott uns Menschen so nahe kommt, dass er selbst ein Mensch geworden ist.

Jedes Jahr an Weihnachten stehe ich wieder erstaunt vor diesem großen Geheimnis. Gott selbst ist ein Mensch geworden. Unfassbar und für uns wohl nie bis zum letzten verstehbar.

Mir helfen die Weihnachtslieder, um dieses Geheimnis zu ergründen. Zum Beispiel das schöne Lied von Paul Gerhard.

1) Ich steh‘ an deiner Krippe hier,
o Jesu, du mein Leben;
ich komme, bring‘ und schenke dir,
was du mir hast gegeben.
Nimm hin, es ist mein Geist und Sinn,
Herz, Seel‘ und Mut, nimm alles hin
und laß dir’s wohl gefallen.

3) Ich lag in tiefer Todesnacht,
du warest meine Sonne,
die Sonne, die mir zugebracht
Licht, Leben, Freud’ und Wonne.
O Sonne, die das werte Licht
des Glaubens in mir zugericht’,
wie schön sind deine Strahlen.