29. November

Benjamin Stahl

Mein Name ist Benjamin Stahl und ich bin einer von vielen Pfarrern im Kirchenbezirk.

Ganz pfarrermäßig will ich natürlich auf die Wortbedeutung „Advent“ eingehen: Advent heißt Ankunft. Wir warten und richten uns auf das aus, was da bei uns ankommt.


Es wäre eine schöne Übung, sich einmal hinzusetzen und 20 min still zu sein. Das braucht einiges an Kraft und Konzentration und geht nicht einfach so. Trotzdem: Wenn man das schafft (oder 10 min zum Anfang) und einmal nichts anderes wichtig ist, als die Stille, dann kann man beobachten, wie viele und welche Gedanken bei mir ankommen. Was kommt da bei Ihnen an? Welche Gedanken sind wichtig? Welche Gedanken machen sich nur wichtig? Welche guten Gedanken fehlen gerade und was kann ich tun, damit diese wieder bei mir ankommen?

Der Advent lädt dazu ein, still zu werden und zu sortieren, was alles ankommen darf und was wir auf der Gedankendurchreise auch nicht unnötig aufhalten müssen.

Übrigens — als Hinweis zum Schmunzeln — wer Stille so übt und noch auf einem guten Bibelwort herumkaut (Vorschlag für den Anfang: Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir, Ps. 139,5), dem kommt der Advent zum Schluss trotz bunter Märkte und der vielen Besorgungen gar nicht mehr so stressig vor. Einfach drei Mal in der Woche die innere und äußere Stille suchen und so Gott besuchen. Er freut sich, wenn wir bei ihm ankommen. Meine Erfahrung ist, dass Gott schon da ist. Nur ich bin so oft rastlos unterwegs.

Im Advent haben wir das Recht auf Stille — und es gibt Tageszeiten, in denen das uns niemand nimmt ;-).

Zu einer anderen Sache lädt mich der Advent auch noch ein: Ich mache mir Gedanken darüber, was auf uns als Kirche alles zukommt. Ich durfte fünf Jahre zum Thema „Kirche in ländlichen Räumen“ forschen und bin ganz bewusst ins Landpfarramt gegangen. Ich weiß, dass die nächsten Jahre für unsere Organisationsstrukturen zu viel werden. Wir bauen zurück. Das, was da bei uns ankommt, stimmt einen eher traurig. Wir werden auf einige Dinge verzichten müssen. Menschen, die bei uns mitarbeiten, werden weniger werden. Es wird schwieriger für die Mitarbeitenden: Eine Gemeindepädagogin für sechs Dörfer? Geht vielleicht — solange wir bedenken, dass die Organisation dieser Arbeit aufwendiger geworden ist. In einem Dorf sind die Wege kurz, die Räumlichkeiten bekannt und einige Ansprechpartner trifft man auch zwischendurch. Sechs Dörfer sind sechs verschiedene Kontaktbereiche. Es braucht einfach mehr Zeit, um Beziehungen aufzubauen.

Wenn ich im Advent auf mich schaue und auf unsere Kirche, die ich mag, dann sehe ich schon so einiges, bei dem ich denke: Daran müsste ich einmal gezielter arbeiten. Manche Gewohnheit bringt nun wirklich nichts mehr. Das heißt, ich muss umlernen. Das geht schon und kann sogar lustig sein. Und dann ist ja auch Advent. Dieser Advent erinnert mich auch daran, dass ich mich vorbereiten soll, dass Jesus Christus auf die Erde kommt. Er kommt zu mir, in meinen Stall, in unsere Kirche. Das ist für mich der Punkt, an dem ich innerlich entkrampfe. Ich weiß: die Anwesenheit von Jesus reicht völlig aus, damit wir Kirche sind. Die Anwesenheit von Jesus reicht auch aus, dass es in mir ruhig und friedlich wird. Natürlich wünsche ich mir mehr von diesem Frieden für jeden Einzelnen und für unsere Kirche. Wünschen ist auch nicht schlecht — beten ist besser. Für diese Gebete ist im Advent natürlich auch Zeit: Herr, komm bald! Amen.