4. Dezember

O Heiland, reiß den Himmel auf, herab, herab vom Himmel auf,
reiß ab vom Himmel Tor und Tür, reiß ab, wo Schloß und Riegel für.
(EG 7,1)


Kirche Kleinröhrsdorf
(Ev.-Luth. Kirchgemeinde Großröhrsdor-Kleinröhrsdorf)

Unsere Kirche wurde sicher bereits einige Jahre vor der ersten aktenkundlichen Erwähnung unseres Ortes 1346 gebaut. Der rechteckige Grundriss und die hochaufragenden Giebel mit Steinkreuzen als oberen Abschluss sind Merkmale frühgotischen Bauens. Die Kirchenakten weisen aus, dass es im Laufe der Zeit mehrere Um- und Anbauten sowie Renovierungen gab.
1703/04 wurden die Emporenbrüstungen mit Bildern biblischer Themen bemalt. Ein Rest davon ist noch am Kanzelaufgang erkennbar. Bänke kamen vermutlich erst 1712 in die Kirche. 1735 wurden Sakristei, Eingangsvorbau und Geräteschuppen ergänzt.
Der bedeutendste Eingriff erfolgte von 1785 bis 1787. Seinerzeit waren Farben und Bilder verpönt, und so wurde sämtlicher Bildschmuck mit weißer Farbe übertüncht. In dieser Zeit baute der Kleinröhrsdorfer Gottfried Mierisch eine Orgel mit Rokkokogehäuse. 1888/89 erfolgten Innen- und Außenerneuerung, ein Kunststeinfußboden wurde eingebracht und ein Taufstein gestiftet. Außerdem erhielt die Kirche zwei silberne Altarleuchter sowie diverse Abendmahlsgeräte. Der Kronleuchter war bereits 1874 von Einwohnern gestiftet worden.
Die nächste bedeutende Innenrenovierung erfolgte 1901 mit Rosenmotiven und Jugendstilornamenten an den Holzeinbauten, wobei die alten Bildwerke nicht wie anderswo nur übermalt, sondern zuvor gründlich beseitigt wurden. In diesem Zusammenhang wurde die unbrauchbar gewordene Orgel durch einen Neubau von Bruno Kircheisen aus Dresden ersetzt. Im Abnahmegutachten wird das Instrument als ein «sehr gelungenes Werk von edlem Wohlklang» gewürdigt. Die vorerst letzte Generalinstandsetzung der Orgel nahm 1980 Orgelbauer Schubert aus Dresden vor.

1961 führte der Kunstmaler Werner Juza die letzte große Innenrenovierung durch. Das Institut für Denkmalpflege gab dafür eine farbliche Fassung mit marmorierter Struktur vor. In diesem Zusammenhang wurden die Fußbodenfließen durch gefälligere Sandsteinplatten ersetzt, die Beleuchtung wurde erneuert und eine Sandsteintaufe aus dem 16. Jahrhundert im Altarplatzbereich eingeordnet. Vorübergehend wurden einige Fresken, die noch aus der Ursprungszeit stammen und Heilige darstellen, freigelegt, dann aber wieder übertüncht.
Kostbarstes Kunstwerk ist der sogenannte «Kleinröhrsdorfer Gnadenstuhl», eine Altarschnitzerei aus dem 15. Jahrhundert. Gottvater, auf dem Thron sitzend, trägt das Kreuz Christi in seinen Händen und hält es als Zeichen seiner Liebe der Gemeinde vor Augen.
Am Sonntag nach dem 28. Oktober wird in Kleinröhrsdorf das Kirchweihfest gefeiert. Der Merkvers lautet: «Simon Juda (28.10.) darf mit backen, aber nicht mit essen.» Man bäckt Kirmstkuchen, empfängt Gäste, trinkt gemeinsam Kaffee. Auf den Kirmsttanz muss die Gemeinde aber seit etwa 20 Jahren mangels räumlicher Gelegenheit leider verzichten.
1999 konnten mit gesamtbürgerlichem Engagement eine vollständige Neudeckung des Kirchendaches sowie ein kompletter Neubau des Dachreiters vorgenommen werden. Dabei wurden die Dachziegel einzeln «verkauft», von Einwohnern individuell beschriftet und sämtlich am Turm angebracht. Sie geben späteren Generationen sicher ein Zeugnis unserer Zeit.
Vor drei Jahren erfolgte durch die hiesige Tischlerei Granzow ein Umbau des für viele Besucher inzwischen schmerzhaft eng gewordenen Kirchengestühls.
Ein Taufbaum dokumentiert seit 2010 die Namen aller seither in unserer Kirche getauften Kinder.

(Text und Fotos aus „Komm und sieh“, hrsg. vom Ev.-Luth. Kirchenbezirk Bautzen-Kamenz, Lusatia Verlag, Bautzen, 2011)