6. Dezember – 2. Advent

Komm, o mein Heiland Jesu Christ, meis Herzens Tür dir offen ist.
Ach zieh mit deiner Gnade ein, dein Freundlichkeit auch uns erschein.
Dein Heilger Geist uns führ und leit den Weg zur ewgen Seligkeit.
Dem Namen dein, o Herr, sei ewig Preis und Ehr.
(EG 1,5)



St. Margarethen und Nikolaus Kapelle Cosel
(Ev.-Luth. Kirchgemeinde Schwepnitz)

Gut, dass Cosel, eingepfarrt bei der Kirchgemeinde Schwepnitz, so versteckt liegt, sonst wäre die herrliche Ruhe dahin. Außerdem geben die Teiche und der nahe gelegene Wald dem Ort seinen besonderen Charakter. Mittendrin liegt die wunderschöne Kapelle mit ihrem kleinen Dachreiter, frisch gemalt in weiß mit rotbraunen Faschen.

Vielleicht gab es im Ort schon vor 500 Jahren eine hölzerne Wallfahrtskapelle. Sicher ist, dass hier 1584 der Pfarrer von Schwepnitz für einen Scheffel Korn eine Predigt zu halten hatte. Ein Befund von 1794 besagt, dass der Bau aus Holz und Brettern bestand, sehr verfallen war und sein baufälliges Aussehen in der Umgebung zum Gespött geworden war. Als der damalige Schwepnitzer Pfarrer sich wegen Lebensgefahr weigerte, in der höchst baufälligen Kapelle Gottesdienst zu halten, wurde sie 1805 auf Befehl des Oberamtes abgerissen.

1818 wurde der Grundstein für den jetzigen Kirchenbau gelegt, der ein Jahr später geweiht wurde. Als Patrone gelten der heilige Nikolaus und die heilige Margarethe.

Reste der Innenausstattung der vorherigen hölzernen Kapelle wurden übernommen und zieren bis heute den Altar. Das Kruzifix auf der schlichten Altarmensa stammt aus dem 17. Jahrhundert und die beiden geschnitzten und qualitätsvoll gefassten Figuren, Johannes und Maria, jeweils mit einem Totenschädel zuFüßen, gehörten zu einer Kreuzigungsgruppe. Diese beiden Skulpturen wurden vermutlich in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts
gefertigt.

Bei den Erneuerungsarbeiten 1972 wurden der künstlerisch wenig ansprechende Kanzelaltar und die Ostemporen entfernt, eine einfache Mensa und ein neues Gestühl aus Herrnhut angeschafft. Damit erhielt die Kapelle den betsaalartigen Charakter, den sie heute noch hat.

1913 ersetzte eine Orgel der Bautzener Firma Hermann Eule das alte Instrument von 1850.

Heute ruft die kleine, mehr als 500 Jahre alte Glocke im Dachreiter der Kapelle einmal monatlich zum Gottesdienst. Und so steht die kleine Kirche als Zeichen einer bewegten Geschichte wie als Zeugnis einer lebendigen Gemeinde und lädt ein zu Stille und Besinnung.

Sie will Mut machen, aus der erlebten Bewahrung in der Vergangenheit Zuversicht zu schöpfen für den Weg in die Zukunft.


(Text und Fotos aus „Komm und sieh“, hrsg. vom Ev.-Luth. Kirchenbezirk Bautzen-Kamenz, Lusatia Verlag, Bautzen, 2011)